Neurofeedback - was sind Gehirnwellen und warum sind sie interessant?


Menschen haben fünf verschiedene Arten von elektrischen Mustern oder „Gehirnwellen“. Die fünf Gehirnwellen werden im Allgemeinen in der Reihenfolge der höchsten bis zur niedrigsten Frequenz aufgelistet und umfassen: Gamma-, Beta-, Alpha-, Theta- und Delta-Wellen. Sie können mit Hilfe eines qEEG (quantitativer Elektroenzephalograph), manchmal auch als Brain Mapping bezeichnet, gesehen werden.


Jede der von uns produzierten Hirnwellen hat eine spezifische für uns lebenswichtige Aufgabe. Dadurch sind wir in der Lage, unterschiedliche Situationen zu meistern – von der Verarbeitung und dem Erlernen neuer Informationen bis hin zur Beruhigung nach viel Stress.


Wenn eine der fünf Arten von Gehirnwellen in unserem Gehirn entweder über- und/oder unterproduziert wird, kann dies unser tägliches Leben beeinträchtigen. Keine einzelne Gehirnwelle ist „besser“ oder „optimaler“ als die anderen.



SO FUNKTIONIEREN UNSERE GEHIRNWELLEN

Im Wachzustand zeigt ein qEEG alle fünf Arten von Gehirnwellen gleichzeitig an. Diese Gehirnkarte ermöglicht es uns, Ungleichgewichte der Gehirnwellen zu sehen. Das Ziel von Neurofeedback ist es, ein ungesundes, fehlreguliertes Gehirnwellen-Ungleichgewicht in ein normales, gesundes, organisiertes Muster zu verwandeln. Dadurch wird das Gehirn stabiler und kann optimal und effizient arbeiten.

Zum Beispiel haben Menschen mit ADS/ADHS langsamere Gehirnwellen als der Rest der Bevölkerung. Sie produzieren zu viele langsame Theta-Wellen, sollten jedoch schnelle Beta-Wellen erzeugen. Der Mensch mit ADS/ADHS kompensiert die erhöhte Theta-Produktion durch Hyperaktivität, somit weckt sich das Gehirn immer selbst auf. Während des Schlafs haben Klienten normalerweise Kombinationen der langsameren Frequenzen, aber während des tiefen REM-Schlafs (Rapid-Eye-Movement) ist mehr Gamma-Aktivität vorhanden.

Gammawellen sind an höheren Verarbeitungsaufgaben beteiligt. Sie sind wichtig für das Lernen, die Wahrnehmung, das Gedächtnis und die Informationsverarbeitung. Menschen mit Lernschwierigkeiten neigen dazu, eine unterdurchschnittliche Gamma-Aktivität zu haben.

Frequenzbereich: 35 Hz bis 45 Hz


+ Zu viel: Angst, hohe Erregung, Stress

- Zu wenig: ADHS, Depression, Lernschwierigkeiten

Optimal: Kognitive Prozesse, Informationsverarbeitung, Lernen, Wahrnehmung, REM-Schlaf (Traumschlaf)

Betawellen sind hochfrequente Gehirnwellen mit niedriger Amplitude, die auftreten, während wir wach sind. Sie sind an bewusstem Denken und logischem Denken beteiligt und neigen dazu, einen stimulierenden Effekt zu haben. Mit der richtigen Menge an Betawellen können wir uns auf schulische oder arbeitsbezogene Aufgaben konzentrieren und problemlos erledigen. Zu viel Beta kann dazu führen, dass wir übermässigen Stress und/oder Angst haben. Die höheren Beta-Frequenzen sind mit einem hohen Erregungsniveau verbunden.

Frequenzbereich: 12 Hz bis 35 Hz

+ Zu viel: Angst, hohe Erregung, Unfähigkeit sich zu entspannen, Stress

- Zu wenig: ADHS, Tagträumen, Depression, schlechte Kognition


Optimal: Bewusster Fokus, Gedächtnis, Problemlösung

Alphawellen schließen die Lücke zwischen unserem bewussten Denken und unserem Unterbewusstsein. Es hilft uns zu beruhigen und fördert ein Gefühl der tiefen Entspannung. Wenn wir gestresst werden, kann ein Phänomen namens Alpha-Blocking auftreten, das eine übermässige Beta-Aktivität und sehr wenig Alpha beinhaltet. Im Wesentlichen blockieren die Beta-Wellen die Produktion von Alpha, weil wir zu erregt sind.

Frequenzbereich: 8 Hz bis 12 Hz

+ Zu viel: Tagträumen, Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, zu entspannt

- Zu wenig: Angst, hoher Stress, Schlaflosigkeit, Zwangsstörung


Optimal: Entspannung

Thetawellen sind an Tagträumen und Schlaf beteiligt. Sie sind dafür verantwortlich, dass wir tiefe und manchmal rohe Emotionen erleben. Zu viel Theta-Aktivität kann Menschen anfällig für Depressionen und sie sehr beeinflussbar zu machen. Theta hilft, die Intuition und Kreativität zu verbessern und ist auch am erholsamen Schlaf beteiligt.

Frequenzbereich: 4 Hz bis 8 Hz


+ Zu viel: ADHS, Depression, Hyperaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit

- Zu wenig: Angst, schlechtes emotionales Bewusstsein, Stress

Optimal: Kreativität, emotionale Verbindung, Intuition, Entspannung

Deltawellen sind die langsamsten menschlichen Gehirnwellen, Säuglinge und Kleinkinder produzieren davon sehr viel und mit dem älter werden, reduziert sich auch der Anteil dieser Hirnwellen. Deltawellen werden mit tiefster Entspannung und erholsamem, heilendem Schlaf und unbewussten Körperfunktionen wie der Regulierung des Herzschlags und der Verdauung in Verbindung gebracht.

Frequenzbereich: 0 Hz bis 4 Hz

+ Zu viel: Hirnverletzungen, Lernprobleme, Denkschwäche

- Zu wenig: Unfähigkeit, sich gut zu regenerieren und das Gehirn zu revitalisieren,

schlechter Schlaf

Optimal: funktionierendes Immunsystem, natürliche Heilung, erholsamer / tiefer Schlaf


Zu verstehen, wie jede dieser Gehirnwellen zusammenarbeitet, ist ein wichtiger und faszinierender Teil dessen, was man durch Neurofeedback lernen kann. Damit kann man Menschen helfen, die einzigartigen individuellen Stärken und Schwächen des Gehirns zu verstehen, und man kann gezielt das Ungleichgewicht trainieren, um eine optimale Gehirnfunktion zu erreichen und das Wohlbefinden verbessern.


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