Bindungsstile und ihre Rolle in Beziehungen

Die Arbeiten von John Bowlby zur Bindungstheorie gehen auf die 1950er Jahre zurück. Auf der Grundlage seiner Theorie wurden vier Bindungsstile für Erwachsene identifiziert: 1. ängstlich-besorgt, 2. vermeidend-abweisend, 3. desorganisiert/ängstlich-vermeidend und 4. sicher.

Bindungsstile entwickeln sich früh im jungen Lebensalter und bleiben oft im Laufe der Zeit stabil.

Menschen mit unsicheren Bindungsstilen müssen sich möglicherweise bewusst darum bemühen, ihre Bindungsprobleme zu lösen, um eine sichere Bindung aufzubauen.



Was sind Bindungsstile, und wie wirken sie sich auf Beziehungen aus?

Es liegt in der menschlichen Natur, Kontakt, Beziehungen, Liebe, Unterstützung und Trost von anderen zu suchen. Laut dem Sozialpsychologen Roy Baumeister ist das "Bedürfnis nach Zugehörigkeit" sogar eine der wichtigsten Antriebskräfte des Menschen.

Aus evolutionärer Sicht hat das Pflegen und Aufrechterhalten enger Beziehungen Vorteile für das Überleben und die Fortpflanzung. Schließlich haben die meisten von uns ein "Bedürfnis nach Zugehörigkeit" und wünschen sich Nähe und Intimität.

Dennoch sind Liebe und Beziehungen selten so perfekt und problemlos, wie wir sie gerne hätten.


Haben Sie in Ihrem Beziehungsleben wiederkehrende Muster festgestellt?

Vielleicht haben Sie Ihr Verhalten in Beziehungen noch nie wirklich durchdacht oder analysiert. Trotzdem haben Sie vielleicht immer wiederkehrende Muster in Ihrem Beziehungsleben bemerkt.

Haben Sie sich gefragt, warum Sie immer wieder in der gleichen Situation landen, selbst bei unterschiedlichen Partnern?

Werden Sie zu anhänglich oder eifersüchtig? Oder scheinen Sie sich immer mehr zu engagieren als Ihr Partner? Vielleicht möchten Sie mit jemandem zusammen sein, aber Sie ziehen sich zurück, sobald es emotional innig wird.

Angenommen, Sie haben in Ihrem Beziehungsleben ein Muster von ungesunden und emotional herausfordernden Verhaltensweisen festgestellt. In diesem Fall sollten Sie tiefer gehen und erforschen, wie Sie sich an Menschen in intimen Beziehungen binden. Hier ist das Wissen über die Bindungstheorie sehr hilfreich.


Was ist die Bindungstheorie?

Die Bindungstheorie hat eine lange Geschichte und dient als Grundlage für anhaltende Forschung. Der erste Schritt besteht darin, sich mit den Grundlagen vertraut zu machen und die verschiedenen Bindungsstile zu verstehen.

Dem Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby zufolge hat die Beziehung zu den Eltern in der Kindheit einen weitreichenden Einfluss auf die sozialen und intimen Beziehungen und sogar auf die Beziehungen am Arbeitsplatz in der Zukunft.

Mit anderen Worten: Die frühe Beziehung zu Ihren Bezugspersonen legt den Grundstein dafür, wie Sie als Erwachsener Beziehungen aufbauen werden.


Es gibt vier Bindungsstile für Erwachsene:

  • ängstlich (auch als besorgt bezeichnet)

  • vermeidend (auch als abweisend bezeichnet)

  • desorganisiert (auch als ängstlich-vermeidend bezeichnet)

  • sicher

Bevor wir uns mit den Merkmalen der vier Gruppen befassen, ist es vielleicht hilfreich, darauf hinzuweisen, wie sich Bindungsstile bei Kindern entwickeln.


Wie entwickeln sich Bindungsstile in der frühen Kindheit?

Das Verhalten der primären Bezugspersonen (in der Regel die Eltern) trägt dazu bei, wie ein Kind enge Beziehungen wahrnimmt, und prägt diese.

Das Kind ist von seinen Bezugspersonen abhängig und sucht bei ihnen Trost, Beruhigung und Unterstützung. Wenn die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse des Kindes befriedigt werden, entwickelt es eine sichere Bindung.

Dies setzt jedoch voraus, dass die Bezugspersonen eine warme und fürsorgliche Umgebung bieten und auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, auch wenn diese Bedürfnisse nicht klar zum Ausdruck gebracht werden.

Andererseits führt eine mangelnde Feinabstimmung der Eltern wahrscheinlich zu einer unsicheren Bindung bei ihren Kindern.



Welcher Bindungsstil liegt bei Ihnen vor?

Jeder der vier Bindungsstile hat seine typische Ausprägung und Charakteristika.

Dennoch lässt sich ein Mensch nicht unbedingt zu 100 % in eine einzige Kategorie einordnen: Sie entsprechen vielleicht nicht genau dem "Profil".

Die Analyse des eigenen Bindungsstils zielt darauf ab, ungesunde Verhaltensweisen zu erkennen und zu verstehen, woran Sie arbeiten müssen, um Ihr Beziehungsleben zu verbessern. Also, los geht's!

Wie äußert sich jeder der vier Bindungsstile bei Erwachsenen?


  • Ängstlich/besorgt: Für Erwachsene mit einem ängstlichen Bindungsstil ist der Partner oft die "bessere Hälfte". Das Leben ohne Partner (oder das Alleinsein im Allgemeinen) verursacht Angstzustände. Menschen mit dieser Art von Bindung haben typischerweise ein negatives Selbstbild, während sie andere positiv sehen. Ein ängstlicher Erwachsener sucht oft nach Anerkennung, Unterstützung und Aufmerksamkeit von seinem Partner. Menschen mit diesem Bindungsstil legen großen Wert auf ihre Beziehungen, sind aber oft ängstlich und besorgt, dass der geliebte Mensch nicht so viel in die Beziehung investiert wie sie selbst. Es besteht eine starke Angst vor dem Verlassenwerden, und Sicherheit ist eine wichtige Priorität. Die Aufmerksamkeit, Fürsorge und Reaktionsfähigkeit des Partners scheinen das "Heilmittel" gegen die Angst zu sein. Andererseits kann das Fehlen von Unterstützung und Intimität dazu führen, dass der ängstliche/besorgte Typus anhänglicher und fordernder wird, sich mit der Beziehung beschäftigt und sich verzweifelt nach Liebe sehnt.


  • Vermeidend/abwesend: Der abweisende/vermeidende Typus nimmt sich selbst oft als "einsamer Wolf" wahr: stark, unabhängig und autark, nicht unbedingt in Bezug auf körperlichen Kontakt, sondern eher auf emotionaler Ebene. Diese Menschen haben ein hohes Selbstwertgefühl und eine positive Einstellung zu sich selbst. Der abweisende/vermeidende Typ neigt dazu, zu glauben, dass er nicht in einer Beziehung sein muss, um sich vollständig zu fühlen. Sie wollen nicht von anderen abhängig sein, sich nicht von anderen abhängig machen oder Unterstützung und Anerkennung in sozialen Bindungen suchen. Erwachsene mit diesem Bindungsstil vermeiden im Allgemeinen emotionale Nähe. Sie neigen auch dazu, ihre Gefühle zu verbergen oder zu unterdrücken, wenn sie mit einer potenziell emotionsgeladenen Situation konfrontiert werden.


  • Desorganisiert / ängstlich-vermeidend: Der desorganisierte Typ neigt zu instabilen und unklaren Verhaltensweisen in seinen sozialen Bindungen. Für Erwachsene mit diesem Bindungsstil sind der Partner und die Beziehung oft die Quelle sowohl von Sehnsucht als auch von Angst. Ängstlich-vermeidende Menschen wünschen sich Intimität und Nähe, haben aber gleichzeitig Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen und sich auf sie zu verlassen. Sie können ihre Emotionen nicht gut regulieren und vermeiden starke emotionale Bindungen, weil sie Angst haben, verletzt zu werden.


  • Sicher: Bei den drei bisher beschriebenen Bindungsstilen handelt es sich um unsichere Bindungsstile. Sie zeichnen sich durch Schwierigkeiten beim Aufbau und der Aufrechterhaltung gesunder Beziehungen aus. Im Gegensatz dazu bedeutet der sichere Bindungsstil, dass eine Person in der Lage ist, ihre Emotionen offen auszudrücken. Erwachsene mit einem sicheren Bindungsstil können sich auf ihren Partner verlassen und lassen im Gegenzug zu, dass ihr Partner sich auf sie verlässt. Die Beziehungen beruhen auf Ehrlichkeit, Toleranz und emotionaler Nähe. Der sichere Bindungstyp gedeiht in seinen Beziehungen, hat aber keine Angst vor dem Alleinsein. Sie sind nicht von der Reaktionsfähigkeit oder der Zustimmung ihrer Partner abhängig und neigen zu einer positiven Einstellung zu sich selbst und anderen.


Wo finden Sie sich wieder?

Da Sie nun mit den vier Bindungsstilen für Erwachsene vertraut sind, wissen Sie wahrscheinlich, zu welchem Sie neigen.

Es ist normal, dass Sie in Ihrer Geschichte von engen Beziehungen Merkmale der verschiedenen Stile erkennen können. Bindungsstile können sich mit wichtigen Lebensereignissen oder sogar mit unterschiedlichen Partnern ändern.

Eine Person mit unsicherer Bindung könnte eine sichere Bindung eingehen, wenn sie einen sicher gebundenen Partner hat.

Im Gegensatz dazu kann eine Person mit einem sicheren Bindungsstil ein ungesundes Beziehungsverhalten entwickeln, nachdem sie ein Trauma erlebt oder einen geliebten Menschen verloren hat.


Wann sollte man sich Gedanken machen?

Viele von uns gehören nur teilweise zu der Gruppe der sicher gebundenen Menschen. Selbst wenn wir denken, dass wir stabile Beziehungen haben, gibt es vielleicht Muster in unserem Verhalten, die uns immer wieder stören oder uns gestresst/unglücklich machen. Leider werden sich einige Menschen in einem der drei unsicheren Bindungsstile wiederfinden. Stark ausgeprägte unsichere und instabile Bindungsstile können zu Angstzuständen, Depressionen und anderen psychischen Problemen führen.

In diesem Fall ist es besser und empfehlenswert, dass sie sich aktiv mit diesem Thema auseinandersetzen und gegebenenfalls individuelle therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Mit einem Therapeuten an diesem Muster zu arbeiten, wäre der beste Weg, um eine sichere Bindung aufzubauen.



Source: Attachment Styles and Their Role in Adult Relationships (attachmentproject.com)


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